Eigentlich ist dieser Text nur für Ralf bestimmt. Aber ich weiß: Ralf wird er nicht gefallen. Denn, wenn er etwas nicht leiden kann, dann ist es, selbst im Mittelpunkt zu stehen. Er fühlt sich wohler, wenn das Team, die Agentur oder ein Projekt die Aufmerksamkeit bekommt. Auch dann, wenn er das Team geleitet, die Agentur geführt und das Projekt erdacht und umgesetzt hat.
Es gibt aber Momente, da ist es schlicht notwendig, den Scheinwerfer dorthin zu richten, wo er hingehört. Etwa dann, wenn der Gründer und Geschäftsführer nach vielen Jahrzehnten die Leitung des Unternehmens übergibt und die nachfolgende Generation ihn hochleben lässt.
Heute verlässt Ralf die Geschäftsführung von Birke und Partner. Er bleibt uns als Gründer und Gesellschafter mit seiner Erfahrung erhalten – die nachfolgende Generation möchte ihn zu diesem Anlass dennoch hochleben lassen. Nicht mit einer Laudatio, sondern mit persönlichen Worten.
Jeder hat in seinem Leben Menschen, die einen prägen. Die fördern, fordern und dadurch formen. Neben den Eltern sind das im Laufe des Lebens Lehrer, Mentoren und Freunde.
Ralf ist ein solcher Mensch für mich. Er hat mich gleichermaßen als Lehrer, Mentor und Freund geprägt.
Ich traf Ralf zum ersten Mal, als ich mich gerade in den finalen Zügen meines Studiums befand. Als Hilfskraft half ich bei einem der ersten History-Projekte von Birke und Partner – zu einem Zeitpunkt, in dem ich karrieretechnisch noch schwankte. Geht’s nach dem Abschluss zurück in den Journalismus? Verschreibe ich mein Leben der Geschichtsforschung? Oder mache ich die Öffentlichkeitsarbeit für einen Abgeordneten in Berlin oder Brüssel?
Ralf zeigte mir einen Weg, auf dem ich alle drei Leidenschaften miteinander verbinden konnte.
In den ersten Jahren bei Birke und Partner war er vor allem mein Lehrer. Er schärfte meine redaktionellen Fähigkeiten („Streich doch endlich diese ganzen Füllwörter!“), zeigte mir, was es bedeutet ein guter Berater zu sein („Stell‘ immer diese eine Frage mehr.“), und brachte mir bei, wie Aufmerksamkeiten gesteuert werden („Gib‘ dem Affen Zucker!“).
Er erkannte meinen Ehrgeiz und meine beschaulichen Talente. Er förderte mich und übertrug mir immer mehr Verantwortung. Er wurde zu meinem Mentor.

Ralf und Micha im Jahr 2016.
Als seine rechte Hand verstand ich, wieviel Weitsicht notwendig ist, um ein Unternehmen zu führen. Aber auch, wie wichtig Geradlinigkeit ist. Mit offenem Mund sah ich ihm dabei zu, wie er auch mal einen Pitch gewann, in dem er dem Kunden erklärte, dass das ausgeschriebene Projekt so nicht funktionieren kann.
Die wichtigste Lektion für mich: Bleib immer Mensch. Vor allem als Vorgesetzter. Ralf hat immer ein offenes Ohr. Er nimmt sich die Zeit, wenn Mitarbeiter ein Thema haben, auch wenn er keine Zeit hat. Und wenn er nicht direkt helfen kann, hat er zumindest immer einen guten Rat.
Vor zehn Jahren machte mich Ralf zum Partner. Für mich eine außergewöhnliche Chance, für Ralf der Beginn des Change-Prozesses der Agentur. Vom Mentor wurde er für mich aber nicht nur zum Partner – sondern zum Freund.
Gemeinsam haben wir in den vergangenen Jahren gefeiert und getrauert. Haben erdacht, akquiriert, konzipiert, getextet, umgesetzt und abgeschlossen. Haben die Haare gerauft und Tränen gelacht, über die Welt philosophiert und viel zu schlechte Wortwitze gemacht.
Das Wunderbare? Wir tun es noch heute.
Was ich damit eigentlich sagen will: Ralf, danke.
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