Sie sind so häufig, dass sie kaum noch auffallen: Jahreszahlen als Attribut einer Marke. Das Gründungsjahr eines Unternehmens auf Bierdeckeln und Hosenknöpfen, Wirtshausschildern und Etiketten. Eine vierstellige Zahlenfolge, meist irgendwo zwischen 1850 und 2005. Die Zahl ist meist flankiert von einem „seit“, „depuis“ (französisch), „desde“ (spanisch, portugiesisch), „mundu“ (arabisch) oder von dem auch hierzulande verbreiteten „since“ / „est.“ Dass „established“ „gegründet“ bedeutet, weiß deshalb auch jedes Kind.
Doch warum ist der Jahrgangscode so prominent platziert? Ist er wie ein offenes Passwort, das den Zugang zur Entscheidung für ein Produkt freigibt? Das muss uns doch etwas sagen, uns vielleicht sogar anziehen, überzeugen. Warum sonst sollte die Jahreszahl in allerbester Blickrichtung platziert sein, mal straight und kerzengerade, mal schwungvollst geschnörkelt?
Meistens können Marketer die Antwort im Schlaf geben: „Wir schreiben ‚seit‘ auf das Etikett, weil.“ Und wenn nicht, fällt einem zum Thema Tradition und Nostalgie ja auch sofort etwas ein. Am Ende die Botschaft: Echter, weil älter.
Ein Gefühl, ein Versprechen, ein Hauch von Dauer
Aber mit der Ketchup-Flasche („est.“) im Supermarkt oder am digitalen Point of Sale sind wir meist allein. Da steht niemand aus der Unternehmenskommunikation oder aus dem Vertrieb mit Erklärungen bereit. Als Verbraucher muss man sich die Geschichte selbst zusammenbasteln. Und vielleicht ist das gerade das Geheimnis dieser Zahl: Man erzählt sich selbst eine hübsche Story über bessere Zeiten. Aus einer munter zusammengeklöppelten Assoziationskette entsteht im Kopf ein unbegründetes Reservoir guter Gründe, sich für eine Marke zu entscheiden.

Hauptsache alt, oder?
Fragt sich, warum Jahreszahlen so einsam sind. Im direkten Widerspruch zu ihrer aufmerksamkeitsstarken Darstellung stehen oft die Informationen zur Geschichte dahinter: Ein paar hübsche Bonmots, wortreiche Klischees. Und wie oft werden wir in der Werbung mit einer rührseligen Story abgespeist, in der ein schauspielernder Großvater und ein schauspielernder Enkel als erfundene Protagonisten die lange Tradition eines Produkts vorspielen.
Für die Konsumenten ist die Jahreszahl eine in den letzten zwei bis drei Jahrhunderten gut gelernte Werbebotschaft. In Kombination mit einem „seit“, „since“ oder auch „est.“ besitzt die Dauer der Geschäftstätigkeit Marketing-Magie erster Güte.
Doch wenn schon eine Jahreszahl so viel auslöst, welches Potenzial hat dann die starke Erzählung der echten Geschichte einer Marke oder eines Produkts? Wer seine Kundschaft nicht mit dem bloßen Jahrgangscode im Regen stehen lässt, sondern die so prominent genutzte Jahreszahl mit animierenden und überraschenden Geschichten untermauert, kann nur profitieren. Dann ist „est. 1927“ kein Satz ohne Punkt mehr.
Since: Ein Gefühl, eine Botschaft, ein Anfang mit Potenzial
„Seit“ ist ein entscheidender Punkt auf dem Weg der Verbraucherin zu ihrer Kaufentscheidung. Wir erzählen die Geschichten hinter dieser so inflationär eingesetzten Werbebotschaft und wollen ergründen, wie der Jahrgangscode für wirksame Kommunikation geknackt werden kann.
Darum widmen wir uns in diesem Jahr 2026 (sic!) der Magie der Jahreszahlen.

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