bupview #17 – Daniel

Unser Historiker und Redakteur Daniel über Biografien.

von Beatrice Vogel
20. Oktober 2026

Daniel ist Redakteur und Berater History bei birke und partner.

Daniel, du verbindest bei uns Kommunikation mit geschichtlicher Forschung. Derzeit arbeitest du an einer Biografie. Was ist die größte Herausforderung dabei?

Als Biograf darf ich der zunehmenden Vertrautheit mit der Person, über die ich lange forsche und schreibe, nicht auf den Leim gehen, sondern muss analytische Distanz wahren. Dazu kommt: Quellen für Biografien werden nicht einfach vorgefunden. Sie sind geformt von Auswahl- und Wegwerfprozessen bei privaten Nachlässen oder von möglicherweise verklärter Erinnerung im Fall von Interviews oder Ego-Dokumenten wie Briefen und Tagebüchern. Und manchmal ist die Quellenlage für Zeiträume, Aspekte oder insgesamt sehr dünn. Das alles hat deutlichen Einfluss darauf, wie eine Biografie geschrieben werden kann. Das gilt es zu berücksichtigen.

Was muss eine gute Biografie beinhalten und wie setzt du diesen Anspruch um?

Eine gute Biografie erzählt eine Geschichte über ein Leben in seiner Zeit. Das klingt banal, ist aber wichtig: Sie ist nicht das Leben der Person, nicht einmal die definitive Biografie der Person. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, eine Lebensgeschichte zu erzählen. Das heißt: Eine Biografie benötigt einen Gesichtspunkt, der Auswahlkriterien vorgibt und damit eine Erzählung strukturiert. Eine gute Biografie verbindet historische Fakten mit dem Anspruch, beim Lesen Interesse und, je nach Fall, sogar Freude zu wecken. Für mich bedeutet das zweierlei: gründliche Recherche und einen kreativen Zugriff auf das gesammelte Quellenmaterial bei der Strukturierung des Textes.

Auch handschriftliche Notizen zu einer Lektüre können für den Biografen interessant sein.

Was können wir aus Biografien lernen?

Genauso viel und wenig wie aus der Geschichte allgemein: Dass sie sich zwar nicht wiederholt, dass aber die zutiefst menschlichen Themen – Liebe, Sehnsucht, Machtstreben, Gewinn und Verlust, Freude und Trauer – praktisch zeitlos sind. Zugleich eröffnen sie den schillernden Variantenreichtum all dessen, was es heißt, ein Mensch zu sein. Und Stichwort Mensch: Angesichts scheinbar endloser Krisendiagnosen und überwältigender Probleme in unserer Gegenwart machen Biografien auch Hoffnung darauf, dass individuelles Handeln vielleicht doch etwas bewirken kann.

Wessen Biografie würdest du gern schreiben und warum?

Eine Biografie, die ich gern geschrieben hätte, ist gerade erschienen: „Ruge: Der Reporter des 20. Jahrhunderts“, über den langjährigen ARD-Korrespondenten Gerd Ruge. Als Jugendlicher habe ich um die Jahrtausendwende seine TV-Reportagen aus Russland und den ehemaligen Sowjetrepubliken verschlungen: „Gerd Ruge unterwegs“. Mit seiner Mischung aus Neugierde, schnoddrig-hartnäckiger Fragetechnik und vor allem zugewandter Menschenfreundlichkeit wurde er zu meinem Idol. Er ist sicherlich ein Grund, warum ich Journalist werden wollte und heute nicht nur Historiker, sondern auch Redakteur bin.

Bevor eine Biografie geschrieben werden kann, braucht es eine fundierte historische Recherche.